Der Orgelbauer

     
 

Der Beruf des Orgelbauers ist nicht einfach nur ein "Job". Vielmehr ist Liebe zum Detail und Engagement gefragt. Auch eine religiöse Einstellung ist unumgänglich. Immer wieder wird das Multitalent >>Orgelbauer<< gefordert.

Schreiner - Metaller - Elektriker - Elektroniker - Musiker - Toningenieur - Technischer Zeichner - Künstler - Physiker - Statiker - Mathematiker - Pädagoge - Diplomat - Kundenbetreuer - Kaufmann - Buchhalter - Ausbilder... 

 
  demontierter Spieltisch Kontrolle Prospektreinigung  
Zerlegter Spieltisch während der Reinigung Intonationskontrolle: mein Lehrmeister Hugo Weidemann Auch der Prospekt muss sorgfältig gesäubert werden
Bei der Reinigung Windlade
Reinigen einer 14-registrigen Schwellwerkslade Blick in einen Windkasten (mech. Schleiflade)
 
 
Der Orgelbauer
 
Ob Sommer oder Winter, zum Wechsel der Temperaturen ist er wieder unterwegs: der Orgelbauer. Mit seinem Auto fährt er von Kirche zu Kirche und sorgt für gute Stimmung. Ist es draußen warm, kommt er in die kalte Kirche; ist es draußen kalt, kommt er in die (hoffentlich) warme Kirche. Ein Temperaturenwechsel, der es in sich hat.
 
Manchmal ist der Orgelbauer mit seinem treuen Kollegen unterwegs, dem Tastenhalter. Ihm sei aber ein eigenständiges Kapitel gewidmet! Da krabbelt er nun, der Orgelbauer, über enge Stimmböden und Gänge (die er vermeintlich selbst gebaut hat) und bahnt sich seinen Weg zu den Pfeifen, die den unterschiedlichen Schwingungen der Luftsäule nicht so recht widerstehen können. Hat er sein Ziel erreicht, klopft er mit behutsamen Schlägen vorsichtig auf der Pfeifen Ende. Laien stehen dabei und hören nix. Doch etwas Entscheidendes ist passiert: Die Stimmung ist wieder da!! Wenige Klopfer mit Fingerspitzengefühl und ein tadelloses Gehör haben es geschafft, den sonntäglichen und werktäglichen Gottesdienst schön zu machen.
 
Was aber bewegt nun einen Menschen, sich dieser Stimmungstort(o)ur halbjährlich zu unterziehen?
 
Das Geld ist in diesem Fall ganz bestimmt kein Grund. Auch wenn die Rechnung hoch ist, dass der Kirchenvorstand stöhnt - der Orgelbauer sieht nicht viel davon. Nein, es ist die Leidenschaft. Die Leidenschaft an der Musik, an dem Instrument und - das ist ganz entscheidend - am Glauben. Den ohne unseren Gott wäre kein Lobpreis nötig und die Königin der Instrumente nicht dafür geschaffen worden! Jeder Orgelbauer, der seinen Beruf ernst meint, für den "Beruf" noch von "Berufung" kommt und nicht nur ein Job ist, trägt diese religiöse Einstellung in sich.
 
Welche Talente muss der Orgelbauer mitbringen?
 
Entscheidend sind eine schnelle Auffassungsgabe und handwerkliches Geschick. Während der Lehrzeit stellt sich heraus, wofür man geeignet ist. Denn nur der Orgelbau bietet Unmengen an kreativen Einsatzmöglichkeiten. Ein guter Holztechniker ist im Gehäusebau am richtigen Platz, ein Mathematiker im Mechanik und Windladenbau, der mit dem guten Gehör wird Intonateur und ... mein damals vierjähriger Sohn fragte vor vielen Jahren beim Besuch meiner damaligen Arbeitsstätte jemanden, der gerade zur Tür herein kam: "Arbeitest Du auch hier?" Die Antwort: "Nein, nein, ich bin hier der Chef!"
 
Diese Einteilung der Arbeiten ist aber an dieser Stelle nur grob umrissen. Das Wissensgebiet eines Orgelbauers erstreckt sich über:
 
Holz, Holzarten, Holzkonstruktionen, Bearbeitung, Maschinenkunde, Sicherheitsvorschriften, Metalle, Eigenschaften, Bearbeitung, Filze, Leder, Tuche, Gewebe, Klebstoffe und ihre Eigenschaften, Leime und ihre Eigenschaften, Elektronik - Aufbau, Wirkung, Störungen und ihre Beseitigung, Elektrik 12V 24V 48V 60V und 240V 400V (selbst wenn er letztere selbst nicht installieren darf), Konstruktion und Planung einer Orgel, Prospektentwurf, Verhältnisse, Dispositionen (norddeutsch, süddeutsch, romantisch, französisch, barock, neobarock, gotisch, neugotisch, Orgelrevolution, Schnittger, Silbermann - Andreas, Gottfried ...) Mechanik, Hebelgesetze, Tastenberechnungen, Windverhältnisse, Strömungsgeschwindigkeiten, Strömungslehre, Prinzip der kommunizierende Röhren, hydrostatisches Paradoxon, Konstruktionen, Computerkenntnisse, Word, Excel, CAD-Zeichnen, Fegen und Aufräumen...
 
dazu kommt: der feine Umgang mit Kunden, forsch im Auftreten, fix bei der Arbeit, aber "eine Bierruhe" ausstrahlend und im Gespräch mit Organisten alle Leute kennend, wissend in der Musikgeschichte und und und...
 
Eine Frage wird uns immer wieder gestellt: Muss ein Orgelbauer auch Orgelspielen können? Grundsätzlich erst einmal "nein". Aber was taugt ein Arzt, der kein Blut sehen kann?? Je größer die Vorbildung ist, desto einfacher ist das Verständnis für das Instrument und sind auch die Schritte auf der Karriere-Leiter innerhalb des Betriebes nach oben. Wir setzen als Basis das Erlernen eines Instrumentes und damit Notenkenntnisse voraus. Beherrschen eines Tasteninstruments und die damit verbundene Zuordnung der Töne zu den Tasten wäre prima, Kennen des Quintenzirkels ist ideal. Alles was darüber hinaus geht, ist nicht nötig, behindert aber nicht... 
 
Jeder von Ihnen, der eine eigene Orgel unter sich hat, weiß um die Anstrengungen des Orgelbauers, es dem Organisten so recht wie eben möglich zu machen.
 
Orgelbauer - einer der schönsten Berufe auf der Welt!